Farben: Einfach schön

Sie glauben also, man blättert durch Zeitschriften, besucht Modenschauen oder wirft einen Blick auf Lady Gagas neustes Outfit, um Farbtrends zu erkennen? Zunächst einmal – Sie sind viel zu spät dran. Die Farben des Jahres 2011 wurden schon vor zwei Jahren festgelegt. Außerdem geht es bei Farben um viel mehr als um Mode. Und Lady Gaga ist zwar eine bemerkenswerte Frau, lebt aber doch in ihrer eigenen Welt. Farben sind viel mehr und viel vielfältiger als einfach nur Farben. „Ideen kann man überall sammeln“, sagt Per Nimer, Designmanager bei AkzoNobel.

„Ich lasse mich von Lifestyle, Wirtschaft und Politik inspirieren. Ich strecke meine Fühler immer und überall aus.“ Nimer ist stets auf der Suche nach weit verbreiteten Themen und Gedanken. „Die Aufgabe besteht darin, Punkte zu einem Gesamtbild zu verbinden.“ Nimer saugt Ideen auf wie ein Schwamm. Sein Notizheft ist sein ständiger Begleiter. Jedes Jahr im Herbst fordert Nimer führende internationale Designer, Architekten und Farbberater auf, die wichtigsten Entwicklungen im Bereich Farbe zu bestimmen. Auf Grundlage der Ergebnisse entstehen Trendbücher für jedes Marktsegment, in dem AkzoNobel tätig ist.

„Wertschätzung“ war das zentrale Thema für 2011. „Darin spiegelt sich die Zeit, in der wir leben, und die von der Finanzkrise, der Gefahr durch den Terrorismus und dem Klimawandel geprägt ist“, erklärt Nimer. „Angesichts dieser Probleme wissen wir mehr zu schätzen, was wir haben.“

Fünf ineinandergreifende Trends mit ihren jeweils eigenen Farben fallen unter diesen Oberbegriff. „Die Schönheit des Alltags“ (The Beauty of Everyday Life) greift auf die kleinen Dinge des Lebens zurück, auf alltägliche Tätigkeiten wie Kuchenbacken oder ein Kinderpicknick. Die Farben sind schlichte Pastell-, natürliche Grün- und sonnige Gelbtöne.

„Den Weg finden“ (Finding the Way) ist das zweite Thema. „Farben werden schon seit Langem eingesetzt, um in Karten, an Flughäfen und auf Straßenschildern Richtungsangaben zu machen“, sagt Nimer. Diese Palette an neutralen Grautönen und kräftigen Grundfarben ist sowohl an Karten als auch an die Beschilderung in Städten angelehnt.

Mit Einfachheit geht auch eine Begeisterung für kindliche Freuden einher: das Plötzliche, Helle, Überraschende (Nimer erinnert an den neusten Trend zu Pop-up-Restaurants, Galerien oder 3D-Filmen). Hinter dem Angebot von „Pop-up-Freude“ (Pop-up Pleasure) verbergen sich dementsprechend frische Grün- und prickelnde Gelbtöne.

„Mit Liebe gemacht“ (Made with Love) drückt die Freude aus, die wir empfinden, wenn wir etwas herstellen und dabei wissen, dass wir gleichzeitig etwas Gutes für die Umwelt tun. Unter dieses Thema fallen deswegen Erd-, Lehm- und Holztöne.

Der letzte Trend trägt den Titel „Molekulare Magie“ (Molecular Magic). Im Mittelpunkt steht die Natur, die wie durch ein Vergrößerungsglas betrachtet wird: Bakterien und Mikroorganismen. Eine fremde Welt, in der Kunst und Wissenschaft aufeinandertreffen. Daraus entstehen satte Türkis- und Lilatöne.

Bei den Farben des Jahres 2011 dreht sich aber nicht alles nur ums Auge. Nimer sagt: „Beim Thema Wertschätzung spielt Fühlen ebenfalls eine wichtige Rolle. Was Sie wirklich schätzen, wollen Sie auch anfassen. Deswegen sind tastbare Beschichtungen dieses Jahr wichtig. Das gehört alles zu dem Eindruck von etwas Selbstgemachtem.“ Wie Sie sehen, geht es bei Farben um viel mehr als nur um Farben.